„Das ist unser Lied!” Hast Du diesen Satz schonmal gesagt oder gehört? Es gibt einfach Lieder, die uns in eine bestimmte Zeit unseres Lebens zurückbeamen. Die erste Liebe zu Jugendzeiten und der erste Trennungsschmerz. Die Zeit von Rebellion und dem Finden des eigenen Weges. Lieder, die alte Freundschaften zurückholen. Lieder, die in schwierigen Phasen getragen haben und Lieder, die für die Leichtigkeit ganzer Jahre sprechen.
Damit entsteht etwas, was die australische Musiksozioligin Lauren Istvandity den lifetime soundtrack nennt. Eine virtuelle Sammlung von Liedern, die unsere Lebensgeschichte erzählen. Nicht immer sind das Lieder, die wir besonders mögen, die aber einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt unseres Lebens ihre Spuren in Körper und Seele hinterlassen haben. Die Musik wird so zu einem Erinnerungsspeicher, sie weckt alte Gerüche, alte Szenen, alte Gefühle. Und prägt so unsere Identität mit.
Dies gilt nicht nur individuell, sondern auch für Generationen. Auch hier gibt es sie: die Lieder, die für das Lebensgefühl einer ganzen Generation stehen. Die von allen gehört wurden und alle geprägt haben. Für meine Generation war das ganz stark Nirvanas „Smells like teen spirit” und ein paar Jahre später Linkin Parks „In the end”. In beiden Liedern drückt sich ein Gefühl von Bedeutungs- und Orientierungslosigkeit aus. Eine Suche nach dem eigenen Platz. Und der Druck, etwas leisten zu wollen und zu müssen, verbunden mit der Frage, was das ganze eigentlich bringen soll: I tried so hard, and got so far, but in the end, it doesn’t even matter. Für andere Generationen sind z.B. Let it be, Summer of 69, Wozu sind Kriege da oder 99 Luftballons Kandidaten solcher Songs für Generationen. Lieder die im Radio und auf Feiern rauf und runter liefen. Das sind Lieder, die oft mitgesungen werden. Ohne das vielleicht bewusst ist, warum dieses Lied gerade so berührt. Erst in der Rückschau wird oft klar, warum diese Lieder so bedeutsam waren.
Dasselbe gilt für Ereignisse, die viele Menschen in der Welt bewegen: „We are the World” bei Band Aid 1985, einem Konzert, das rund 2 Milliarden Menschen verfolgt haben. „Wind of Change” beim Fall der Berliner Mauer. Elton Johns „Candle in the Wind” beim Tod von Prinzessin Diana. „Only time” von Enya, das zur Trauerhymne nach den Anschlägen von 9/11 wurde. Und nicht ohne Grund wurde Reinhard Meys „Nein, meine Söhne geb ich nicht” vor ein paar Jahren neu aufgelegt und mittlerweile von ungemein vielen Musiker*innen auf der ganzen Welt mit einem Reaction-Video auf Youtube kommentiert. Popmusik, gerade weil sie so massentauglich und leicht zu erreichen ist, wird so zu einem Seismographen für die Stimmung einer Gesellschaft genauso wie für das einzelne Leben.
Kennst Du solche Lieder?

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