Dein Waldraum

Du gehst langsam einen Weg entlang.

 

Unter deinen Füßen knistert der Schnee im Rhythmus deiner Schritte.

 

Auf deinem Weg blickst du dich um.

Überall um dich herum ist es weiß gepudert.

In ein paar Schornsteinen raucht ein Kamin.

Kinder fahren Schlitten an einem Hügel.

 

 

Mit jedem Atemzug strömt frische, klare Luft in deinen Körper. 

 

 

Nach ein paar Metern betrittst du einen kleinen Wald.

 

Einen Winterwunderwald.

 

Die Tannen sind weiß bedeckt.

An manchen Zweigen siehst du Eiszapfen.

 

 

Du weißt gar nicht, wo du eigentlich hingehst. 

Aber dein Körper scheint es genau zu wissen.

 

 

Der Weg wird ein wenig schmaler und steiler.

Ein paar Minuten gehst du so weiter. 

 

Bahnst dir deinen Weg durch die Bäume.

Nach oben.

 

Ab und an blitzt die Sonne durch die Stämme.

 

 

Bis der Weg langsam wieder breiter wird und abflacht.

 

Du kommst auf eine Ebene.

 

Der Weg führt durch ein Meer aus Heidelbeersträuchern.

Tierspuren im Schnee zeugen von dem Leben um dich herum.

 

 

In der Ferne erblickst du eine kleine Hütte, die dich magisch anzieht.

Als du ihr näher kommst, weht dir ein angenehmer Duft in die Nase.

Er scheint von der Lichtung zu kommen, die dort vorn ist. 

 

Genau in der Mitte der Lichtung steht die Hütte.

Eine kleine Hütte aus Holz.

Du näherst dich ihr.

Gehst einmal drum herum

Blickst sie von allen Seiten an.

Und gehst zur Tür.

 

Betastest sie. Das Holz fühlt sich warm und einladend an.

Instinktiv holst du aus deiner Jacke einen Schlüssel.

Mit einem leisen Knarren öffnest du die Tür.

 

Und du trittst ein.

 

 

Du befindest dich in einem Raum.

 

Deinem Raum.

 

 

Der Raum entsteht genauso, wie du ihn gerade brauchst. 

 

 

Da sind Sitzgelegenheiten.

 

 

Orte zum Ausruhen.

 

 

Gegenstände von früher, die dir wichtig sind.

 

 

Alles hier wirkt auf dich so vertraut und beruhigend.

 

 

Staunend blickst dich um.

 

 

 

 

 

 

Mit jedem Moment in diesem Raum, in deinem Raum, kommst du mehr und mehr zur Ruhe.

 

 

 

An den Wänden hängen Fotos, die dich zum Schmunzeln bringen.

 

 

 

Auf einem Tisch dampft eine Tasse Tee. Er duftet herrlich. Du nimmst einen Schluck. Sein wohlig-warmes Aroma breitet sich in jeder einzelnen Körperzelle aus.

 

 

Neben dem Tee liegt eine Karte.

 

 

Du nimmst sie in die Hand. Fährst mit dem Finger über das Papier. Sie ist selbst gemalt und in den schönsten Farben. 

 

 

„Für Dich” steht am Bildrand.

 

 

Neugierig drehst du sie um.

 

 

Dein Blick fällt auf den Absender oben rechts: „Von allen Menschen, die dich gern haben” ist dort zu lesen.

 

 

 

Langsam wandern deine Augen nach links, wo der Text der Karte geschrieben ist. 

 

 

 

Aufmerksam liest du. Wort für Wort.

 

 

 

Eine Botschaft, die dir deine lieben Menschen mitgeben.

 

 

 

 

 

 

Worte, die die Kraft geben.

 

 

 

 

 

 

Wieder und wieder liest du diese Worte. Diese Botschaft.

 

 

 

 

 

Mit jedem Wort wächst eine Stärke tief in dir, die du vorher noch nicht kanntest. 

 

 

 

Mit jedem Wort breitet sie sich in deinem Körper aus. 

 

 

 

Von den Zehen bis zu den Haarspitzen. 

 

 

 

Bis die Worte eins mit deinem Atem werden.

 

 

 

Und du weißt, dass du diese Worte fortan in deinem Herzen trägst. Sie mitnimmst in die Welt außerhalb deiner Hütte.

 

 

 

Du merkst, dass es Zeit ist, langsam zu gehen. 

 

 

 

Blickst dich noch einmal in dem Raum um. Deinem Raum.

 

 

Deinen Raum, in den du immer wieder zurückkommen kannst.

 

 

Trittst nach draußen.

 

 

Und schließt die Tür hinter dir ab.

 

 

Machst dich zurück auf den Weg durch die Heidelbeersträucher.

Über den knisternden Schnee.

Den Berg herunter.

Siehst in der Ferne schon die Häuser.

Und kommst zurück ins Dorf.